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Runter vom Ross, Herr Parzinger!

Runter vom Ross, Herr Parzinger!

Ein Debattenbeitrag von Mnyaka Sururu Mboro & Christian Kopp,
Berlin Postkolonial

Am 25. Januar 2018 hat der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger, in der FAZ mit seinem Artikel „Wem gehört die Kunst der Kolonialzeit?“ (online-Titel: „Bauen wir Museen in Afrika!“) u.a. auf einen von uns verfassten Offenen Brief an die Bundeskanzlerin reagiert. Wir haben Angela Merkel darin aufgefordert, sich zu der vom Französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron angekündigten Rückgabe von menschlichen Gebeinen und Kulturschätzen aus der Kolonialzeit nach Afrika zu positionieren. Als Initiatoren des von Hermann Parzinger kritisierten Schreibens sehen wir uns in der Pflicht, hier energisch gegen seine Herabsetzung der Unterzeichnenden dieses Briefes zu protestieren. Den Gründungsintendanten des Humboldt Forums machen wir darauf aufmerksam, dass Arroganz das wohl unerträglichste Erbe des Kolonialismus ist.

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Unser Offener Brief an die Bundeskanzlerin ist bislang von über 60 in- und ausländischen Organisationen, Verbänden und Institutionen unterzeichnet worden. Darunter befindet sich die traditionsreiche Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, das Netzwerk Migrantenorganisationen Brandenburg, die Hunderte von Mitgliedsvereinen vertretenden entwicklungspolitischen Dachverbände verschiedener Bundesländer, das Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin und das Holocaust Memorial & Tolerance Center in Glen Cove, New York. Nicht zuletzt hat auch die OvaHerero Genocide Foundation unterschrieben, welche die Nachfahren der Opfer des Völkermords 1904-08 in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ repräsentiert. Getragen wird die Initiative von mehr als 150 Persönlichkeiten. Mit dabei: die weltbekannte Künstlerin Hito Steyerl, die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Eva Högl, die Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodoua Otoo, die in Innsbruck lehrende Postkolonialismus-Expertin Nikita Dhawan, der südafrikanische Historiker und Direktor des African Programme in Museum and Heritage Studies Ciraj Rassool und Hon. Ida Hoffmann, die ehrwürdige Nama-Vertreterin und Abgeordnete im namibischen Parlament.

Angesichts dieser versammelten Prominenz und Expertise befremdet uns Hermann Parzingers despektierliche Beschreibung der Unterzeichnenden als „Afrika-Initiativen und Aktivisten unterschiedlichster Couleur“ – zumal er es dabei nicht bewenden lässt. So attestiert der Prähistoriker den Unterstützenden ein fehlendes Verständnis von der „Komplexität von Provenienzforschung“, Ignoranz gegenüber „der Vielfalt der Erwerbungsgeschichten“ in ethnologischen Museen und sogar „Populismus“, da sie die „Bestände völkerkundlicher Museen samt und sonders als Raubgut“ bezeichnen würden. Dabei taucht diese Formulierung in unserem Schreiben an die Bundeskanzlerin überhaupt nicht auf. Von den gesamten Beständen der ethnografischen Museen ist erst recht nicht die Rede – außer bei Hermann Parzinger, der sich mit seiner Unterstellung selbst der populistischen Panikmache verdächtig macht.

Einher geht diese Diffamierung mit einem Selbstlob für die vermeintlichen Erfolge der seit 2008 von ihm geleiteten Stiftung auf dem Feld der Provenienzforschung, die – natürlich – zur „DNA des Humboldt Forums“ gehöre. Doch ist es nicht vielmehr so, dass er sich in all diesen Jahren mehr um die Rückgabe deutschen Kulturguts aus russischen Museen als um die Suche nach und Restitution von gewaltsam angeeigneten Kulturschätzen und menschlichen Überresten in seinen eigenen Hallen bemüht hat? Hat er als Chef der Stiftung mit einem Jahresetat von 195 Millionen Euro systematische Provenienzforschung nicht erst vor wenigen Monaten über kleine Drittmittelprojekte beginnen lassen und diese sträfliche Vernachlässigung über Jahre hinweg bedauernd als eine „Frage der Ressourcen“ bezeichnet? Wie kann man sich noch des Eindrucks erwehren, dass der Weltöffentlichkeit möglichst verborgen bleiben soll, welche, wie viele und genau woher Kult- und Kunstgegenstände sowie menschliche Gebeine unter Anwendung realer und symbolischer Gewalt, durch List oder Betrug in die Berliner Sammlungen gelangt sind?

Wir haben die SPK in den letzten fünf Jahren regelmäßig darauf hingewiesen, dass sich im noch immer unaufgearbeiteten Aktenbestand des Ethnologischen Museums Eingangsvermerke für ganze Sammlungen aus allen ehemals deutschen Kolonien finden lassen, die als „Kriegsbeute“, „Schädel“ und „Skelette“ deklariert sind: keine Reaktion. Wir haben vor Hermann Parzingers Dienst-Villa für die Herausgabe der afrikanischen Ahnen an die Nachfahren demonstriert: da schnaufte der Stiftungs-Riese nur kurz. Nachdem wir mit dem TV-Journalisten Markus Frenzel konkrete Belege für das Vorhandensein von fast 1000 menschlichen Schädeln und Skeletten aus Ruanda und Tansania im SPK-Depot in die breitere Öffentlichkeit trugen, drehte er sich aufs andere Ohr. Selbst als der Preußenstiftung bezüglich der Provenienzforschung im Sommer 2017 sehr nachdrücklich Trägheit vorgeworfen wurde, murmelte das sich schlafend stellende Mammut nur etwas wie: „Thema fürs Sommerloch“. Wachgeworden ist es dabei jedenfalls nicht. Denn sonst hätte die SPK im Oktober letzten Jahres im Bodemuseum mit „unvergleichlich“ nicht erneut eine Ausstellung eröffnet, in der Benin Bronzen und andere geraubte afrikanische Heiligtümer ausgestellt werden, deren brutale Erwerbsgeschichten noch immer nicht thematisiert und deren beraubte Herkunftsgesellschaften noch immer nicht um ihr Einverständnis gebeten worden sind.

Ist die SPK nun wenigstens nach Emmanuel Macrons bahnbrechender Initiative alarmiert? Wird jetzt hier in Berlin endlich eine transnationale Task Force zur Provenienzrecherche zusammengestellt? Wird es die Herkunft der ca. 8000 menschlichen Gebeine aus aller Welt in den SPK-Lagern klären, sodass sie schnellstmöglich an die jeweiligen Herkunftsgemeinschaften zur Bestattung zurückgegeben werden können? Wird dann im Fundus zuerst zielgerichtet nach Objekten aus einem kolonialem Unrechtskontext gesucht, um möglichst bald schon erste Restitutionen anbieten zu können? Ja wird dieser Bestand, der in Teilen noch immer in den originalen Lieferkisten aus dem 19. Jahrhundert liegt, überhaupt erst einmal komplett ausgepackt und inventarisiert? Statt das Problem hochzudelegieren und nach gesamteuropäischen Leitlinien sowie nach einer UNESCO-Konferenz zu rufen, sollte Hermann Parzinger zuerst einmal hier vor Ort seine „Hausaufgaben“ machen.

Hermann Parzingers Beitrag macht deutlich, dass der Stiftungspräsident gar keine Vorstellung von der historischen Verantwortung hat, die auf seinen Schultern liegt. Wieviel postkolonialer Hochmut und wieviel Stumpfheit spricht daraus, dass der „plaudernde Papst“ (Tagesspiegel) es für eine „große Geste“ hielte, wenn Deutschland gemeinsam mit anderen früheren Kolonialmächten den Menschen in Afrika mal eben das „eine oder andere Museum“ in die Landschaft setzten würde, um das sie gar nicht gebeten haben? Wie zynisch ist es, den Nachfahren der Kolonisierten, Vergewaltigten und Bestohlenen die Königsbüsten, Masken, Götterstatuen, Throne und Zepter ihrer eigenen Vorfahren vorerst als „Leihgaben“ in Aussicht zu stellen? Hermann Parzinger würde seiner Verantwortung gerecht werden, wenn er die von ihm geleiteten Museen hier in Berlin konsequent dekolonisierte und ihre Sammlungen transparent machen würde. Der SPK-Chef würde seiner Verantwortung an dem Tag nachkommen, an dem er demütig sein Haupt senkt und um Verzeihung dafür bittet, dass die seit zehn Jahren unter seiner Leitung stehenden Einrichtungen die Früchte kolonialer Habgier noch immer stur und beharrlich als „preußischen Kulturbesitz“ verteidigen.

Offener Brief zur Rückgabe von afrikanischen Kulturobjekten und menschlichen Gebeinen

Organisationen, die unterzeichnen wollen, bitte mit Mail an: buero(at)berlin-postkolonial.de

Offener Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel / Open Letter / Lettre ouverte (English/French below)

Berlin, 18.12.2017

Betreff: Rückgabe von Kulturobjekten und menschlichen Gebeinen nach Afrika

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

mit großem Interesse haben wir die am 28. November 2017 in Ouagadougou gehaltene Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Kenntnis genommen, in der er erklärte, nicht länger „akzeptieren zu können, dass sich ein Großteil des Kulturerbes mehrerer afrikanischer Länder in Frankreich befindet“. Wir begrüßen, dass die französische Regierung innerhalb der nächsten fünf Jahre in Zusammenarbeit mit den betroffenen afrikanischen Ländern eine „zeitweilige oder dauerhafte Rückgabe des afrikanischen Erbes“ ermöglichen will. Wir würdigen zudem Emmanuel Macrons Ankündigung, menschliche Gebeine, die einem kolonialen Unrechtskontext entstammen, nach Algerien zu restituieren.

Frankreich reagiert damit auf die sich intensivierende, kritische Debatte zum kolonialen Erbe, der sich auch die anderen Länder des Globalen Nordens nicht länger entziehen können. Denn es sind nicht nur französische Museen und Privatsammlungen im Zuge der Kolonisierung in den Besitz von hunderttausenden Kulturobjekten und von zehntausenden menschlichen Gebeinen aus allen Regionen Afrikas gekommen. Die Anzahl der afrikanischen Artefakte in den großen ethnologischen Museen Nordamerikas und Europas ist so hoch, dass über 90% aller Exponate noch nie gezeigt werden konnten. Die Menge an menschlichen Gebeinen aus Afrika ist so groß, dass die Museen angeblich auch 100 Jahre nach ihrer Aneignung noch immer nicht ermitteln konnten, von wo und auf welche Art und Weise sie in die Sammlungen gelangt sind.

Zur selben Zeit werden insbesondere die rituellen Objekte und die Gebeine der Vorfahren und Ahnen von Angehörigen der afrikanischen Herkunftsgesellschaften schmerzlich vermisst.

Deutschland kommt in dieser Situation eine Schlüsselrolle zu. Denn nicht nur findet sich hier die größte Dichte an Museen mit Kulturschätzen und menschlichen Gebeinen aus allen Teilen des afrikanischen Kontinents. In seiner Hauptstadt Berlin fand 1884/85 – auf Einladung der Französischen Republik und des Deutschen Reiches – die berüchtigte Afrika- oder Kongo-Konferenz statt. Dabei wurden die Regeln zur fast vollständigen Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten ausgehandelt und damit erst die Voraussetzung für die systematische Aneignung von afrikanischen Kulturobjekten und sterblichen Überresten geschaffen.

Zum Beginn des Europäischen Kulturerbejahres 2018, das unter dem programmatischen Titel „Sharing Heritage“ steht, möchten wir Sie in Ihrer Funktion als deutsche Regierungschefin daher ersuchen, sich zur historischen Initiative des französischen Präsidenten zu positionieren. Im 100. Jahr nach dem Ende des deutschen Kolonialismus in Afrika darf die Bundesregierung zum Thema Restitution von rituellen Objekten und menschlichen Gebeinen aus kolonialem Unrechtskontext nicht schweigen.

Ohne eine transparente, transnationale und kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe wird eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft auch in Zukunft nicht möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Mnyaka Sururu Mboro & Christian Kopp
Berlin Postkolonial
buero(at)Berlin-postkolonial.de

Unterzeichnende:
AfricAvenir International
Amnesty Antirassismusgruppe Berlin
Amnesty Themenkoordinationsgruppe Antirassismus
Antirassistisch-Interkulturelles Informationszentrum ARiC Berlin
Arbeitskreis Panafrikanismus München
Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt Landesnetzwerke (agl)
Arca-Afrikanisches Bildungszentrum
Artefakte/Anti-Humboldt
Association of the Ovaherero Genocide in the USA
aware&fair, gerechter Handeln in der einen Welt
Baobab Berlin
Barnimer Kampagne “Light Me Amadeu”
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
BENKADI Kultur Raum Afrika
Bremer entwicklungspolitisches Netzwerk (BeN)
Bündnis „Decolonize Berlin“
Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein (BEI)
Bündnis gegen Rassismus
Bündnis „No Humboldt 21“
Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“
Centrum für Postcolonial und Gender Studies (CePoG), Trier
Colibri – Beiträge für eine menschwürdigere Welt, Tübingen
Colonialism Reparation
Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB)
Darfur-Hilfe
Demokratie und Integration Brandenburg (RAA Brandenburg)
Decolonize Bremen
Deutsch-Afrikanische Gesellschaft (DAFRIG)
EACH ONE TEACH ONE (EOTO)Eine Welt Forum Mannheim
Eine-Welt-Landesnetzwerk MV
Eine Welt Netz NRWEine Welt Netzwerk Hamburg
Eine-Welt-Werkstatt für Entwicklung, Frieden und Ökumene
Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen (EPN Hessen)
Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien, Universität KasselFlinn Worksfreiburg-postkolonial.de
Freundeskreis Malawi und Städtepartnerschaft Hannover-Blantyre
FuturAfrik – Forum für Globale Gerechtigkeit
Glokal
Gesellschaft für bedrohte Völker – Regionalgruppe Münster
Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit (GSE)
Hamburg Postkolonial
Holocaust Memorial & Tolerance Center (Glen Cove, New York)
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund)
Initiative Völkermord erinnern, Köln
IDB | Institut für diskriminierungsfreie Bildung
Interkulturelles Frauenzentrum S.U.S.I.
Initiative „Kolonialismus im Kasten?“
Initiative Togo Action Plus
Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin
Interflugs, UdK Berlin
in*vision. Berlin
iz3w Informationszentrum 3. Welt Freiburg
Joliba – Interkulturelles Netzwerk in Berlin
Kassel postkolonial
Köln Postkolonial
Kolping Bildungswerk Trier e.V.
Kolpingjugend DV Trier
Kolpingwerk in der Diözese Trier e.V.
korientation. Netzwerk für asiatisch-deutsche Perspektiven
Mädchenmannschaft
Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika (MAKSA)
[muc] münchen postkolonial
NATURFREUNDEJUGEND DEUTSCHLANDS
NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit
Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern
Netzwerk Migrantenorganisationen Brandenburg (NEMiB)
OvaHerero, Mbanderu and Nama Genocides Institute (ONGI)
OvaHerero Genocide Foundation (OGF)
Partnerschaft Dritte Welt, Herrenberg
Palanca
PERIPHERIE-Redaktion
SAVVY Contemporary Berlin
Solidaritätsdienst International (SODI)
Sonnenkinderprojekt Namibia
Southern Networks for Environment and Development (SONED)
Sozialistische Jugend – Die Falken LV Berlin
Suni
Tanzania-Network.de
TechEnergy for Africa
The Bridge – Projekte in Guinea
Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen
Verband Entwicklungspolitischer Nichtregierungsinstitutionen Brandenburg (VENROB)
Weltladen Rottenburg
Weltladen Buxtehude

Isack Peter Abeneko (Dar es Salaam), Millicent Adjei (Hamburg), Aischa Ahmed (Berlin), Joshua Kwesi Aikins (Berlin), Prof. Dr. Iman Attia (Berlin), Josephine Apraku (Berlin), Dr. Markus Auditor (Hannover), Marie-Luise Bartz (Bochum), Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst (Köln), Prof. Dr. Heike Becker (Cape Town/Berlin), Dr. Daniel Bendix (Kassel), Josepha Bittner (Berlin), Marita Blessing (Delmenhorst), Prof. em. Dr. Helmut Bley (Hannover), Dr. Jule Böhnkost (Berlin), Andreas Bohne (Berlin), Dr. Edda Brandes (Berlin), Dr. Anna-Maria Brandstetter (Mainz), Markus Braun (Köln), Clementine Burnley (Berlin), Norbert Castens, Pêdra Costa (Wien), Kaya de Wolff (Tübingen), Tahir Della (Berlin), Prof. Dr. Nikita Dhawan (Innsbruck), Abdou-Rahim Diallo (Berlin), Bécaye Diop (Delmenhorst), Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (Berlin), Dr. Ines Dombrowsky (Bonn), Hamado Dipama (München), Prof. Dr. Lars Eckstein (Potsdam), Ginga Eichler (Berlin), Yonas Endrias (Afrika Akademie/Schwarze Volkshochschule Berlin), Prof. Dr. Fatima El-Tayeb (San Diego), Chance Adam Ezekiel (Dar es Salaam), Laurence Favre (Genf/Berlin), Jahn Georg Fischer (Berlin), Dieter Gadischke (Bernau), Heidrun Gadischke (Bernau), Timo Galbenis-Kiesel (Groß Kreutz), Olga Gerstenberger (Berlin), Prof. Dr. Christoph Görg (Bonn/Wien), Marcos Affonso Ortiz Gomes (Belo Horizonte), Prof. Olivier Graefe (Fribourg), Prof. PhD Lerke Gravenhorst (Ahrensburg), Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier (Freiburg), Dr. Noa Ha (Berlin), Adina Hammoud (Berlin), Prof. Dr. Sabine Hark (Berlin), Prof. Dr. Elahe Haschemi Yekani (Berlin), Dr. apl. Prof. Gerhard Hauck (Heidelberg), Dr. Johann Heilmann (Bonn), Mareike Heller (Berlin), Dr. Anja Henebury (Zürich), Prof. Dr. Jörg Heiser (Berlin), Dipl. Ing. Silvia Hesse (Hannover), MdB Dr. Eva Högl (SPD), Hon. Ida Hoffmann (MP, Windhoek), Frank Hollik, Marie Holdik (Heidelberg), Sylvanus Job (Berlin), HMJokinen (Hamburg), Dr. Ngondi A. Kamatuka (Lawrence), Israel Kaunatjike (Berlin), Belinda Kazeem-Kamiński (Wien), Dr. Natasha A. Kelly (Berlin), Prof. Dr. Ina Kerner (Berlin), Horst Kleinschmidt (Cape Town), Sonja Knees (Berlin), Prof. Dr. Reinhart Kößler (Berlin), Michael Korbmacher (Münster), Godwin Kornes (Mainz), Silvana Kröhn (Berlin), Konradin Kunze (Berlin), Dr. Carolin Kunze (Berlin), Dr. Jürgen Kunze (Leipzig), Prof. Dr. Brigitta Kuster (Berlin), Dr. Jacob K. Langford (Berlin), Daniel S. Lee (Berlin), Ana Paula Leibruder (Berlin), Markus Leitz (Nürnberg), Lucilla Lepratti (Berlin), Beth Lilach (Glen Cove), Dr. Claudia Liebelt (Bayreuth), Annette Lüders (Buxtehude), Hans-Christian Mahnke (Windhoek), Morena Marquardt (Rostock), Prof. Dr. Christoph Marx (Duisburg-Essen), Prof. Dr. Henning Melber (Uppsala), Landesministerin a.D. Heidi Merk (Niedersachsen), Prof. Dr. Angela Mickley (Berlin), MdB Niema Movassat (Die Linke), Esther U. Muinjangue (Windhoek), Augusto Jone Munjunga (Eberswalde), Dr. Kavemuii Murangi (Silver Spring), PhD Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Berlin), Anna Neubauer (Dresden), Katharina Neumann (Berlin), Prof. Dr. Ronald Niezen (Montreal), Prof. Dr. John K. Noyes (Toronto), Jefta Nguherimo (Kensington, MD), Victor Nweke (Essen), Katharina Oguntoye (Berlin), Gabriel Mzei Orio (Old Moshi), Sharon Dodua Otoo (Berlin), Zara Pfeiffer (München), Prof. Dr. Bernhard Pfletschinger (Rösrath), MdB Tobias Pflüger (Die LINKE), Felicias Qualmen (Berlin), Prof. Dr. Ciraj Rassool (Cape Town), Anke Reule (Berlin), Dr. Ksenia Robbe (Leiden), Sigrid Römelt (Münster), Winni Rust (Freiburg), Regina Sarreiter (Berlin), Prof. Dr. Regina Römhild (Berlin), Nicolai Röschert (Berlin), Kim Annakathrin Ronacher (Bremen), PD Dr. Ulrich Roos (Augsburg), Dr. Rita Schäfer (Essen), Volker Schauer (Lübeck), Prof. Dr. Albert Scherr (Freiburg), Prof. Dr. Michael Schnegg (Hamburg), MdB Eva-Maria Schreiber (Die Linke), Alexander Schudy (Berlin), Antje Schulz (Nürnberg), Eric Van Grassdorf (Berlin), Anna Lena Sabroso-Wasserfall (Windhoek), Prof. Dr. Helen Schwenken (Osnabrück), Dr. habil Tilman Schiel (Bayreuth), Ilona Schleicher (Berlin), Dr. Hans-Georg Schleicher (Berlin), Dr. Hildegard Scheu (Bad Homburg), Dr. Kajo Schukalla (Münster), Michael Seitz (Petersaurach), Prof. Dr. Katrin Sieg (Washington), MdB Helin Evrim Sommer (Die Linke), Mareike Späth (Frankfurt), Sophia Stepf (Berlin), Prof. Dr. Hito Steyerl (Berlin), Howard Rechavia Taylor (New York), Ueriuka F. Tjikuua (Windhoek), Ohiniko Mawussé Toffa (Bremen), Hyunuh Wagler (Hannover), Heiko Wegmann (Freiburg), Prof. Dr. Heribert Weiland (Freiburg), Prof. Dr. Gloria Wekker (Utrecht), Sylvia Werther (Berlin), Yamara-Monika Wessling (Wiesbaden), Dr. Christa Wichterich (Bonn), Prof. Dr. Markus Wissen (Berlin), Siegfried Wittig (Berlin), Dagmar Wolf (Bochum), Mag. Regina Wonisch (Wien), Enrique Zaragoza (Berlin), Dr. Joachim Zeller (Berlin), Prof. Dr. Aram Ziai (Kassel), Nils Zurawski (Hamburg) …

+++ English version +++

Open Letter

Subject: Restitution of cultural objects and human remains from Africa

Berlin, 18/12/2017

Dear Dr. Angela Merkel, Chancellor of the Federal Republic of Germany,

with great interest we have noted the speech given on 28 November 2017 in Ouagadougou by the French President Emmanuel Macron, in which he stated that he was no longer “able to accept that a large part of the cultural heritage of several African countries is in France”. We welcome the fact that the French Government, in cooperation with the African countries concerned, wants to enable a “temporary or permanent restitution of the African heritage” within the next five years. We also pay tribute to Emmanuel Macron’s announcement of restoring human remains from a colonial context of injustice to Algeria.

France is responding to the intensifying and critical debate on colonial heritage, which concerns the other countries of the Global North as well. After all, it is not only French museums and private collections that have come into possession of hundreds of thousands of cultural objects and tens of thousands of human remains from all regions of Africa as a result of colonisation. The number of African artifacts in the major ethnological museums of North America and Europe is so high that more than 90% of all cultural treasures have never been shown. The amount of human remains from Africa is so great that, according to the museums, even 100 years after their acquisition, it has still not been possible to determine where and how they came into the collections.

At the same time, especially the ritual objects and the remains of their ancestors are sorely missed by members of the African source communities.

Germany has a key role to play in this situation. For it is not only here that the greatest number of museums with cultural treasures and human remains from all parts of the African continent can be found. In 1884/85, at the invitation of the French Republic and the German Reich, the infamous Africa or Congo Conference took place in its capital Berlin. The rules for the almost complete division of Africa among the European colonial powers were negotiated, thus creating the preconditions for the systematic appropriation of African cultural objects and human remains.

At the beginning of the European Cultural Heritage Year 2018, which will be entitled “Sharing Heritage”, we would therefore like to ask you, in your capacity as German Head of Government, to take a stance on the historic initiative of the French President. In the 100th year after the end of German colonialism in Africa, the Federal Government must not remain silent on the subject of restitution of ritual objects and ancestral remains from a colonial context of injustice.

Without a transparent, transnational and critical examination of the colonial heritage, trustful cooperation between people of African and European origin will continue to be impossible.

With kind regards

Mnyaka Sururu Mboro & Christian Kopp
Berlin Postkolonial e.V.
buero(at)berlin-postkolonial.de

+++ version français +++

Lettre ouverte

Objet : Restitution des biens culturels et restes humains provenant d’Afrique

Berlin, le 18 décembre 2017

Madame la Chancelière,

C’est avec beaucoup d’espoir et d’intérêt que nous avons reçu le discours du président de la République Française tenu le 28 novembre dernier à Ouagadougou. Ce jour là, Emmanuel Macron expliquait ne plus pouvoir « accepter qu’une large part du patrimoine culturel de plusieurs pays africains soit en France. » Nous nous réjouissons de la volonté du gouvernement français de mettre en place dans les cinq prochaines années les conditions nécessaires « pour des restitutions temporaires ou définitives du patrimoine africain en Afrique. » Nous honorons de surcroît l’engagement de M. Macron pour la restitution des restes humains d’Algériens acquis lors de la période coloniale française en Algérie.

La France réagit ainsi aux débats intenses issus de la critique grandissante concernant l’héritage colonial des institutions culturelles en Europe, laquelle de nombreux musées dans les pays occidentaux se doivent désormais de prendre en compte. Car ce ne sont pas seulement les musées de France et collectionneurs privés français qui ont hérité de centaines de milliers d’objets culturels et d’œuvres d’art ainsi que de dizaines de milliers de restes humains en provenance de diverses régions d’Afrique. Il y a en effet tellement de biens culturels africains dans les musées ethnographiques d’Amérique du Nord et d’Europe que 90 % d’entre eux n’ont encore jamais été exposés au grand public. En outre, la mesure des collections anthropologiques provenant d’Afrique est telle, que même les collections du siècle dernier n’ont pu être précisément répertoriées jusqu’à présent. Les musées détenteurs de ces collections à caractère sensible sont ainsi incapables de fournir des informations claires quant aux contextes d’acquisition d’un grand nombre de ces restes humains.

En parallèle, il ne faut pas oublier que la longue absence de certains objets sacrés essentiels aux pratiques culturelles locales et la disparition des sépultures ancestrales se font pesantes pour beaucoup de peuples africains.

Dans ces circonstances, l’Allemagne se doit de jouer un rôle clef. Non seulement présente-elle la plus haute densité de musées détenteurs de trésors culturels et de restes humains provenant des quatre coins d’Afrique ; sa capitale, Berlin, fut aussi le théâtre de la sordide partition du continent africain entre les puissances impériales européennes lors de la Conférence de Berlin en 1884-1885. Rappelons que cette conférence fut organisée suite à l’appel de la République Française et de l’Empire Allemand. Cet événement marqua le début d’une appropriation officielle territoriale qui ouvrit la voie au pillage d’œuvres d’art et de sépultures en Afrique.

Puisque 2018 sera l’Année Européenne du Patrimoine Culturel et que les prochaines journées européennes du patrimoine auront pour thème « Patrimoine européen : L’art du partage, » nous vous invitons, en tant que chef du gouvernement allemand, à prendre position à l’égard de l’initiative du président français. Cent ans après la chute de l’empire colonial allemand en Afrique, il est grand temps que le gouvernement se prononce sur le sujet de la restitution des objets d’art et sur le rapatriement des restes humains acquis pendant la colonisation.

La volonté de reconsidérer le passé colonial européen d’une façon intègre sera un des moteurs pour de futurs partenariats culturels transnationaux. Sans esprit critique et sans transparence, il ne peut malheureusement y avoir de confiance réciproque entre les peuples africains et européens.

Veuillez agréer, Madame la Chancelière, nos sincères salutations.

Mnyaka Sururu Mboro, Christian Kopp
Berlin Postkolonial e.V.
buero(at)berlin-postkolonial.de